Multiplikatorverfahren (Market Approach)
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Multiplikatorverfahren – Unternehmenswert auf Basis von Marktvergleichen ermitteln
Das Multiplikatorverfahren (auch: Market Approach, Vergleichswertverfahren) gehört zu den meistgenutzten Methoden in der Bewertungspraxis – insbesondere bei M&A-Transaktionen, Finanzierungsrunden und indikativen Werteinschätzungen. Die Grundlogik: Wenn ähnliche Unternehmen am Markt mit einem bestimmten Vielfachen ihres Gewinns oder Umsatzes gehandelt werden, sollte das zu bewertende Unternehmen einen vergleichbaren Multiplikator verdienen.
In der Praxis werden vor allem EBITDA-Multiplikatoren (EV/EBITDA) und EBIT-Multiplikatoren (EV/EBIT) verwendet, ergänzt um Umsatzmultiplikatoren (EV/Revenue) für Wachstumsunternehmen und Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) für börsennotierte Unternehmen. Die Aussagekraft des Verfahrens hängt entscheidend von der Qualität der Peer Group und der Normalisierung der Bezugsgrößen ab.
Funktionsweise des Multiplikatorverfahrens
Schritt 1: Peer-Group-Auswahl
Die Auswahl einer geeigneten Vergleichsgruppe ist der kritischste Schritt. Kriterien: Branche, Unternehmensgröße, Geschäftsmodell, Wachstumsprofil und Profitabilität. Valuation Partners nutzt sowohl öffentlich zugängliche Daten zu börsennotierten Vergleichsunternehmen (Trading Comps) als auch Transaktionsdatenbanken mit abgeschlossenen M&A-Deals (Transaction Comps).
Schritt 2: Normalisierung der Bezugsgrößen
EBITDA oder EBIT müssen vor der Multiplikation normalisiert werden: Bereinigung um Einmaleffekte, Sonderabschreibungen, Inhabergehalt und nicht repräsentative Positionen. Ohne Normalisierung sind Multiplikatoren nicht vergleichbar und führen zu falschen Ergebnissen.
Schritt 3: Multiplikator-Bandbreite und Anpassungsfaktoren
Aus der Peer Group wird eine Bandbreite von Multiplikatoren abgeleitet – Median, Mittelwert, 25. und 75. Perzentile. Dieser Bandbreite werden spezifische Zu- oder Abschläge für das Bewertungsobjekt gegenüber der Peer Group angewendet (Größenabschlag, Wachstumszuschlag, Liquiditätsabschlag für nicht börsennotierte Unternehmen).
Anwendung: Trading Comps vs. Transaction Comps
Trading Comps basieren auf aktuellen Börsenkursen – sie bilden den Minderheitswert ab. Transaction Comps basieren auf abgeschlossenen M&A-Transaktionen und enthalten regelmäßig eine Kontrollprämie (10–30%). Für Mehrheitstransaktionen sind Transaction Comps daher relevanter als Trading Comps.
Anwendungsbereiche & Grenzen
Das vereinfachte Ertragswertverfahren ist ein bewährtes Instrument — mit klaren Stärken und bekannten Grenzen, die wir offen kommunizieren.
Grenzen & Einschränkungen
- Qualität abhängig von Verfügbarkeit und Vergleichbarkeit der Peer Group
- Keine 'Fundamentalwert'-Aussage – rein marktrelativ
- Multiplikatoren schwanken stark mit Marktphasen (Boom/Krise)
- Größen-, Liquiditäts- und Strukturunterschiede erfordern komplexe Adjustierungen
- Nicht geeignet für gerichtsfeste Gutachten oder steuerliche Nachweise
- Missbrauchsanfällig: selektive Peer-Group-Auswahl kann Ergebnis stark beeinflussen
Stärken & Anwendungsfälle
- Schnell, einfach und intuitiv verständlich – ideal für erste Orientierung
- Marktbasiert: zeigt, was Käufer tatsächlich bereit sind zu zahlen
- Unverzichtbar als Plausibilitätsprüfer für DCF und Ertragswert
- Liefert Verhandlungsorientierung durch Marktbenchmarks
- In M&A-Transaktionen von Investmentbanken und PE-Fonds als Standard eingesetzt
- Rückrechnung auf implizite Multiples aus Transaktionspreisen möglich
Abgrenzung zu anderen Bewertungsmethoden
Kriterium | Diese Methode | Andere Anbieter |
Grundlage | Marktpreise vergleichbarer Unternehmen | DCF/EW: Fundamentalbewertung (Cash Flows) |
Objektivierung | Nein – relativ zum Markt | IDW S1: Ja – intersubjektiv nachvollziehbar |
Geschwindigkeit | Sehr hoch – schnelles Ergebnis | DCF/EW: mittel bis hoch |
Marktrelevanz | Sehr hoch – direkt marktbasiert | DCF/EW: mittelbar über WACC/Zins |
Rechtssicherheit | Gering – nicht für Gerichte/Steuer | IDW S1: hoch; VEWV: unmittelbar steuerlich |
Einsatz | M&A-Indikation, Plausibilität, PE/VC | IDW S1: Recht, Steuer; DCF: M&A detailliert |
Ihr Mehrwert mit Valuation Partners


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Weitere Bewertungsmethoden
Multiplikatoranalyse als Markteinordnung Ihrer Bewertung.
Dr. Martin Moll
StB / WP
Leonard Lissowski
Ext. Advisor
Häufige Fragen
Multiplikatorverfahren (Market Approach)
Das hängt von Ihrer Branche, dem Wachstumsprofil und dem Bewertungszweck ab. EV/EBITDA ist der Standard für reife Unternehmen mit stabilen Erträgen; EV/Revenue eignet sich für Wachstumsunternehmen mit negativem EBITDA; KGV wird für börsennotierte Unternehmen verwendet. Valuation Partners analysiert Ihre spezifische Situation und wählt die aussagekräftigsten Bezugsgrößen aus.
Bei stark spezialisierten oder nischenorientierten Unternehmen ist die Peer-Group-Auswahl besonders anspruchsvoll. Valuation Partners nutzt eine Kombination aus sektoralen Kriterien, Größenklassen und Geschäftsmodellähnlichkeit. Wenn keine direkte Peer Group verfügbar ist, wird auf benachbarte Sektoren oder internationale Vergleichsunternehmen zurückgegriffen – mit entsprechenden Adjustierungen.
Branchenrichtwerte aus Fachpublikationen oder Online-Rechnern sind Durchschnittswerte, die erhebliche Streuung aufweisen. Sie berücksichtigen weder die spezifischen Risiken und Chancen Ihres Unternehmens noch aktuelle Marktentwicklungen. Valuation Partners leitet Multiplikatoren aus tatsächlichen Transaktionen und Börsendaten ab und passt sie individuell an – das Ergebnis ist wesentlich belastbarer als ein generischer Richtwert.
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