Venture-Capital-Methode (VC-Methode)
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Venture-Capital-Methode – Startup-Bewertung aus der Investorenperspektive
Klassische Bewertungsverfahren wie DCF oder Ertragswert stoßen bei Startups und Frühphasenunternehmen an ihre Grenzen: Die Planungsgrundlagen sind unsicher, historische Erträge fehlen oder sind nicht repräsentativ, und die Ertragskraft liegt oft noch weit in der Zukunft. Die Venture-Capital-Methode löst dieses Problem, indem sie nicht vorwärts (aus der Planung heraus), sondern rückwärts (aus dem Exit heraus) denkt.
Ein VC-Investor kalkuliert: Wenn das Unternehmen in fünf bis sieben Jahren mit einem bestimmten Umsatz oder EBITDA verkauft wird, ergibt sich ein Exit-Erlös. Diskontiert auf den heutigen Tag mit der geforderten Zielrendite ergibt sich der maximal akzeptable heutige Unternehmenswert – der Post-Money-Wert. Abzüglich der zu investierenden Summe ergibt sich der Pre-Money-Wert, den das Startup in der Verhandlung zu vertreten hat.
Funktionsweise der Venture-Capital-Methode
Schritt 1: Exit-Wert ermitteln (Terminal Value)
Ausgangspunkt ist der erwartete Unternehmenswert zum Exit-Zeitpunkt (typischerweise Jahr 5–7). Dieser wird auf Basis projizierter Kennzahlen (Umsatz, EBITDA) und marktüblicher Exit-Multiplikatoren für vergleichbare Unternehmen in der Branche geschätzt. Qualität und Realismus der Exit-Annahme sind der kritischste Parameter des gesamten Modells.
Schritt 2: Diskontierung mit der Zielrendite
Der erwartete Exit-Wert wird mit der geforderten Zielrendite des Investors diskontiert – typischerweise 25–50% p.a. für Seed/Series A, niedrieger für spätere Phasen. Die Zielrendite spiegelt das hohe Ausfallrisiko in frühen Phasen wider: Von 10 Investments erzielen VC-Fonds typischerweise nur 2–3 signifikante Renditen. Die Diskontierung ergibt den maximal akzeptablen Post-Money-Wert heute.
Schritt 3: Pre-Money-Wert und Beteiligungsquote
Post-Money-Wert = Pre-Money-Wert + Investitionsbetrag. Die Beteiligungsquote des Investors ergibt sich als Investitionsbetrag / Post-Money-Wert. In der Verhandlung bestimmt der Pre-Money-Wert, wieviel Anteile der Investor für sein Kapital erhält – der zentrale Verhandlungsparameter jeder Finanzierungsrunde.
Modifikationen: Verwässerung, Liquidation Preferences, ESOP
In der Praxis wird das einfache Modell um Verwässerungseffekte (zukünftige Finanzierungsrunden), Liquidationspräferenzen (Preferred Shares) und ESOP-Reservierungen bereinigt. Diese Faktoren reduzieren die effektive Beteiligungsquote des Investors und erhöhen typischerweise den erforderlichen Pre-Money-Wert.
Anwendungsbereiche & Grenzen
Das vereinfachte Ertragswertverfahren ist ein bewährtes Instrument — mit klaren Stärken und bekannten Grenzen, die wir offen kommunizieren.
Grenzen & Einschränkungen
- Stark abhängig von Exit-Annahmen – geringe Qualität führt zu extremen Ergebnisabweichungen
- Nicht objektiviert: Ergebnis ist Ausdruck der Verhandlungsmacht, nicht des Fundamentalwerts
- Keine steuerliche Anerkennung und nicht gerichtsfest
- Zielrenditeannahmen sind willkürlich – starke subjektive Einflussnahme möglich
- Komplexe Kapitalstrukturen erfordern aufwendige Modifikationen
- Ungeeignet für reife Unternehmen ohne Exit-Perspektive
Stärken & Anwendungsfälle
- Entspricht der tatsächlichen Investorenlogik professioneller VC-Fonds
- Keine stabilen Vergangenheitserträge erforderlich – geeignet für Pre-Revenue-Startups
- Einfach und intuitiv verständlich für Gründer und Investoren
- Liefert direkte Verhandlungsparameter: Pre-Money, Post-Money, Beteiligungsquote
- Ergänzbar durch DCF für Plausibilisierung in späten Phasen
Abgrenzung zu anderen Bewertungsmethoden
Kriterium | Diese Methode | Andere Anbieter |
Denkrichtung | Rückwärts vom Exit (Top-Down) | DCF: Vorwärts aus der Planung |
Zielgruppe | VC/PE-Investoren, Frühphasen-Startups | DCF/IDW S1: Reife Unternehmen, M&A |
Ergebnis | Pre-/Post-Money-Wert, Beteiligungsquote | DCF: Enterprise Value / Equity Value |
Objektivierung | Nein – investorensubjektiv | IDW S1: Ja – neutraler Dritter |
Steuerliche Anerkennung | Keine | IDW S1: Ja; VEWV: Unmittelbar |
Einsatz | Finanzierungsrunden, Term Sheet-Verhandlung | DCF/IDW S1: M&A, Transaktionen, Gutachten |
Ihr Mehrwert mit Valuation Partners


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Weitere Bewertungsmethoden
Finanzierungsrunde geplant? Pre-Money-Wert professionell begründen.
Dr. Martin Moll
StB / WP
Leonard Lissowski
Ext. Advisor
Häufige Fragen
Venture-Capital-Methode (VC-Methode)
Die VC-Methode denkt rückwärts: Vom erwarteten Exit-Erlös wird der heutige Wert abgeleitet. Das DCF-Verfahren denkt vorwärts: Aus der geplanten Cashflow-Entwicklung wird der Barwert ermittelt. Bei reifen Unternehmen führen beide zu ähnlichen Ergebnissen – bei Frühphasen-Startups ist die VC-Methode oft praktikabler, weil keine stabilen Cashflow-Prognosen möglich sind.
Eine Liquidation Preference (LP) ist ein Recht der Preferred-Shareholder (häufig VC-Investoren), im Exit-Fall vor den Stammgesellschaftern ausgezahlt zu werden – in Höhe des investierten Kapitals (1x LP) oder darüber hinaus (Multiple LP). Liquidation Preferences reduzieren den effektiven Exit-Erlös für die Gründer und beeinflussen damit die Bewertungslogik erheblich. Valuation Partners modelliert LPs explizit im Bewertungsmodell.
Grundsätzlich ja – das Grundmodell ist einfach. In der Praxis sind jedoch die Exit-Multiple-Annahmen, die Zielrenditebandbreiten, die Verwässerungsmodellierung und die LP-Strukturen komplex und erfordern Marktkenntnis. Eine professionell erstellte Bewertung gibt Ihnen mehr Verhandlungsicherheit und schützt vor unfairen Term-Sheet-Bedingungen.
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